Das Pater-Rupert-Mayer-Haus wurde nach der Verlagerung des NATO-Kommandozentrums Supreme Headquarters Allied Powers Europe, kurz SHAPE, nach Belgien in unmittelbarer Nähe des Standorts Mons als Erweiterung eines historischen Gebäudes errichtet. Es dient der deutschsprachigen Gemeinschaft im Umfeld von SHAPE, insbesondere den Soldatinnen und Soldaten sowie ihren Familien. Das Deutsche Katholische Militärpfarramt organisiert hier Gottesdienste, seelsorgliche Angebote für Einsatzkräfte sowie Programme für Angehörige in der Heimat.
2016 wurde beschlossen, den Pfarrstandort im Zuge einer umfassenden Sanierung und Erweiterung an die aktuellen und zukünftigen Anforderungen der Militärseelsorge anzupassen.

Standort und Kontext

Der Standort Mons beherbergt SHAPE als NATO-Hauptquartier in Europa. Das Pater-Rupert-Mayer-Haus liegt direkt neben dem gesicherten Areal, das nur mit Passkontrolle und vorheriger Anmeldung zugänglich ist. Dadurch übernimmt das Gebäude eine besondere Rolle als niedrigschwellig erreichbarer, frei zugänglicher Ort der Begegnung. Es fungiert als offenes Haus für die deutschsprachige Gemeinschaft im internationalen militärischen Umfeld.

Baustelle © D:4.
Konferenzraum © D:4.
Treppenhaus © D:4.
Steinbruch in Soignies © D:4.

Im Ergebnis intensiver Abstimmungen mit den örtlichen Behörden konnte der historische Bestand weitgehend erhalten werden. Das Gebäude aus den 1960er Jahren wurde teilweise zurückgebaut und sensibel in ein neues Gesamtkonzept integriert. Der bestehende Gemeindesaal, in gutem baulichen Zustand, blieb erhalten und wurde funktional mit der Kapelle und dem Neubau verknüpft.
Durch die Verlegung des ursprünglichen zentralen Treppenhauses wurde es möglich, den Erweiterungsbau an städtebaulich und funktional idealer Stelle anzuordnen und Alt- und Neubau klar miteinander zu verbinden.

Die neuen Baukörper setzen mit gerundeten Kupferfassaden und halbrunden Gebäudeabschlüssen einen zeitgenössischen Akzent. Das Motiv der Rundung wird im Inneren aufgegriffen und prägt insbesondere die Gestaltung der neuen Kapelle.
Für Altar und Ambo wurde der örtliche Naturstein „Pierre bleue“ aus dem nahe gelegenen Steinbruch in Soignies verwendet. Dadurch entsteht eine enge materielle Verbindung zur Region. Ein differenziertes Farbkonzept greift sowohl sakrale als auch militärische Traditionen auf und übersetzt diese in eine zeitgemäße architektonische Sprache.

Rendering © Dardan Vukaj.
Rendering © Dardan Vukaj.

Die Innenräume sind als Abfolge ineinander übergehender, fließender Bereiche konzipiert. Diese räumliche Kontinuität ermöglicht vielfältige Nutzungen und eine flexible Möblierung. Neben Gottesdiensten sind Veranstaltungen mit bis zu 400 Personen möglich, ebenso Feste und größere Zusammenkünfte.
Moderne Medientechnik schafft die Möglichkeit, Kontakt in die Heimat sowie zu anderen Stationen weltweit zu halten, und stärkt so das Gemeinschaftsgefühl über räumliche Distanzen hinweg. Die Gestaltung ist bewusst kinderfreundlich und barrierefrei angelegt, sodass alle Generationen und unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt werden. Eine offene, gastfreundliche Atmosphäre prägt das gesamte Ensemble.

Auch energetisch wurde der Gebäudekomplex zukunftsfähig ausgerichtet. Eine Heizung mit Luft-Wärmepumpe sowie ein Solardach tragen zu einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Versorgung bei. Das Pater-Rupert-Mayer-Haus verbindet damit den respektvollen Umgang mit dem historischen Bestand, eine zeitgemäße architektonische Ergänzung und hohe funktionale Anforderungen zu einem ganzheitlichen Konzept.