Die Wassermühle am Mühlenstreek wurde 1597 von Philipp Sigismund, Bischof von Osnabrück und Bremen, errichtet. Über die Jahrhunderte wurde die Mühle mehrfach verändert. 1976 wurde die Mühle unter Denkmalschutz gestellt. Heute wird das historische Gebäude ausschließlich als Wohnhaus genutzt.

Ein neues Quartier um die historische Mühle

Das Konzept des Neubaus setzt auf die behutsame Integration der historischen Mühle in ein städtebauliches Ensemble. Zwei moderne Neubauten bilden zusammen mit der Mühle einen zentralen „Mühlenhof“, der als sozialer und räumlicher Mittelpunkt des Quartiers fungiert. Der L-förmige Neubau gliedert sich optisch in drei Bauteile, die über offene Brückenstrukturen und einen zentralen Gemeinschaftsbereich miteinander verbunden sind.

Die drei Bauteile orientieren sich in Größe und Maßstab an der Mühle: Die zur Wiese ausgerichteten Baukörper sind dreigeschossig, der straßenseitige Bauteil sowie der angrenzende Gemeinschaftsbereich zweigeschossig. Über Laubengänge und Brücken sind alle Wohnungen und Nutzungen miteinander verbunden. Die Einheiten variieren in Größe und Nutzung – vom Einzelzimmer bis zur Familienwohnung, ergänzt durch Gewerbeflächen und gemeinschaftlich nutzbare Räume.

Der zentrale Gemeinschaftsbereich dient als Treffpunkt für die Bewohner:innen und kann für Veranstaltungen genutzt werden. Großflächige Fenster und offene Balkonstrukturen öffnen die Räume zur umliegenden Landschaft. Balkone, Brücken, Sonnenschutzelemente und begrünbare Rankgerüste greifen die Fachwerktradition der Mühle auf und schaffen so eine zeitgemäße Verbindung von Alt und Neu.

Lageplan © D:4.
Foto © Jörn Focken.

Das Freiraumkonzept verbindet private und öffentliche Flächen und schafft Begegnungs- und Erholungsräume. Zentrale Elemente sind Plaza, Festwiesen, naturnahe Gärten und ein Steg an der Stromschnelle. Die Bepflanzung orientiert sich an autochthonen Arten, Wasserflächen, Muldenrigolen und extensiv genutzte Tierhaltung unterstützen die Biodiversität. PKWs werden am nordöstlichen Rand des Geländes parkiert; ein Carsharing-Angebot von zwei PKWs auf zehn Stellplätze begrenzt den Verkehr und ermöglicht autofreies urbanes Wohnen. Mit diesem Konzept haben wir bereits bei unserem Projekt LebensArt Rotenburg sehr gute Erfahrungen machen können.

Energie und Nachhaltigkeit

Das Quartier wird energieautark betrieben: Strom aus Sonne und Wasser decken den Bedarf der Gebäude. Wärmepumpen nutzen die Stromschnelle und geothermische Quellen, temporäre Speicher gewährleisten ein effizientes Lastmanagement. Mit diesem Konzept bleibt die historische Mühle in ihrer heutigen Form erhalten, und das Quartier wird klimaneutral über den gesamten Lebenszyklus betrieben.

Grundriss EG © D:4.
Ansicht Nord © D:4.
Ansicht West © D:4.
Ansicht Süd © D:4.

Stromschnelle fördert Begegnung, Inklusion und selbstbestimmtes Leben. Barrierefreie Wohnungen und Coworking-Spaces ermöglichen individuelle Bedürfnisse und gemeinschaftliche Aktivitäten. Der zentrale „Gemeinschaftsbereich mit zwei Räumen“ dient der Begegnung, Rückzug und Durchführung von Seminaren, Workshops und Beratungsangeboten für die Stadtgesellschaft. So verschmelzen historische Substanz, nachhaltige Architektur und soziale Verantwortung zu einem lebendigen Quartier, das Geschichte bewahrt, Natur erlebbar macht und Menschen zusammenbringt.

Beteiligte Firmen und Personen

Das Projekt Stromschnelle entsteht in Zusammenarbeit der Stromschnelle GbR – Leben an der Wassermühle und uns. Zusätzlich sind Polyplan-Kreikenbaum Gruppe GmbH und die Polycon GmbH in Planung und Bau beteiligt. Die Initiative wird getragen von der Stromschnelle GbR.